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Herzlich Willkommen auf dem Weihnachts-Inselchen

Poesie, Fotos und mehr zu Weihnachten


 

..:~~ vom 1. Advent bis Weihnachten ~~:..


1. Advent

Wenn die bunten Blätter im Herbst, vom Sturm gepeitscht, die Bäume verlassen, das Land in Brauntönen versank und der Sommer endgültig Abschied nahm, ja dann begann die ruhige Zeit. Die Zeit voller Vorbereitungen auf den Winter waren vorüber. Das Heu war gebündelt im Stall, Obst und Gemüse sicher in Gläser verstaut. Stille kehrte ein. Bis irgend jemand einen Blick auf den Kalender warf, November.....
Wie ein Startschuss für uns Kinder. Vor unseren Augen sahen wir dicken hohen Schnee, einen zugefrorenen See auf dem wir, wenn die Erwachsenen der Meinung waren, dass er sicher genug sei, unsere Kreise zogen.
Jeden Morgen erwachten wir in Erwartung, tapsten mit unseren nackten Füssen über den kalten Holzboden und drückten unsere kleinen Nasen am Fenster platt. Eisblumen schmückten das Glas, wenn man nur lange genug hin sah, fingen sie an zu tanzen und zeigten uns ihre schillernden Farben. Aber dafür hatten wir wenig Geduld. Wir warteten ungeduldig auf den ersten Schnee. Unsere Schlitten und Schlittschuhe lagen schon längst, gereinigt und geölt im Schuppen neben dem Haus, bereit uns in ein Abenteuer zu führen.

Und auf einmal war es soweit, unser Atem überzog das Fensterglas, mit kleinen Fingern rieben wir uns Kucklöcher und starrten gespannt hinaus. Über Nacht hatte sich der Schnee eingeschlichen, wie ein leiser Dieb, der hartgefrorene Boden erinnerte an Schlagsahne, Bäume, Büsche und Häuser glänzten sauber gewaschen unter dickem weißen Zuckerguss.
Und wir Kinder waren nicht mehr zu halten.
Das Frühstück in uns hineinschlingend, dick verpackt in Großmutters Strickwerk, machten wir uns auf den Weg. Die Schlitten hinter uns herziehend erklommen wir jeden Hügel dem wir habhaft werden konnten, besetzten ihn und schlitterten so jede Freie Minute unserer Zeit. Abends, wenn die Dämmerung die Nebelschwaden auf das Land sinken ließ, zog es uns mit roten Backen und kalten müden Gliedern heimwärts.
So manch einer schlief , aufgewärmt und träge ins prasselnde Kaminfeuer starrend, darüber ein und wurde dann vom Geruch, der in der Nase kitzelte und den Magen knurren ließ, des Kaiserschmarrens geweckt. Mit vollem Bauch, zufrieden und müde, stiegen wir spät am Abend, die Stufen zu unserem Zimmer hinauf. Nun zeigte uns das Fenster nur noch dunkle Schatten, der alte Apfelbaum der darunter stand, schmiegte seine gefrorenen, mit Eiszapfen überzogenen Äste an unser Fenster, so dass sie uns an Krakenarme erinnerten. Als wir kleiner waren machte uns der Anblick Angst aber irgend wann wussten wir, dass sie sich am frühen Morgen wieder in eine ganz normalen Apfelbaum verwandeln würden.

Das Beste am ganzen Winter aber, das war weder der Schnee, noch der zugefrorene See, ja nicht einmal der duftende Kaiserschmarren sondern der hell erleuchtete Weihnachtsbaum in der Ecke, umringt von bunt verpackten Geschenken und strahlenden Kinderaugen!

Copyright by Christa Kuczinski

..:~~ Geschichte des Heiligen Nikolaus ~~:..


Der Bischof von Myra

Es war einmal vor langer Zeit - die Erde drehte sich seitdem über 1700 mal vollständig um die Sonne. Einst ward in einer Stadt in Kleinasien ein Kind geboren - in eine Zeit des Umbruches. Das römische Reich war im Begriff in West und Ost zu zerfallen. - Byzanz war geboren und mit ihm ein Kind, das Geschichte schreiben sollte…

Schon im Säuglingsalter war den Eltern bewusst, dass ihr Junge etwas Besonderes sein musste. Er konnte bereits ohne Hilfe stehen, als man ihn zum ersten mal badete.

In diesem Wissen wuchs er auf in der Stadt zwischen den Bergen, die man auch Patara nannte.
Seine Eltern waren reich und privilegiert, hatten Einfluss und Macht. Sein Onkel war Bischof von Myra und dieser war der Meinung, dass sein Neffe es ihm gleichtun sollte. Und auch der Junge, der inzwischen ins jugendliche Alter eingetreten war, wollte Gutes tun. Und dies im Namen des Herrn.
So trat er in seinen noch jungen Jahren in das Kloster von Sion ein und arbeitete dort als einfacher Mönch. Er tat seinen Dienst, doch sehr bald wurde seinen Mitbrüdern klar, dass er etwas ganz Besonderes sein musste. Ein besonderer Zauber, eine beinahe mystische Ausstrahlung, wohnte ihm inne.
Viele waren der Meinung, dass er noch Großes vollbringen würde.

Als er von seinen Eltern das große Vermögen erbte, erfuhr er von einem verarmten Mann, der beabsichtigte, seine drei Töchter zu Prostituierten zu machen, weil er sie mangels Mitgift nicht verheiraten konnte.
So machte sich der Mönch auf den Weg zum Haus des armen Mannes und warf an drei aufeinander folgenden Nächten Goldklumpen durch die Fenster in die Zimmer der drei Töchter, damit diesen ihr Schicksal erspart bliebe. In der dritten Nacht entdeckte der Vater den Mönch und dankte ihm herzlich.
„Danke nicht mir! - Danke dem Herrn!“, hatte dieser gesagt und war so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war.
Auch den restlichen Besitz verteilte er mit der Zeit an die Armen und Notleidenden.

Der Abt des Klosters spürte, dass sein Mönch für Höheres bestimmt war und auch der Mönch strebte nach mehr. Er nutzte den Einfluss seines Onkels und wurde schließlich nach Jahren im Kloster zum Erzbischof von Myra geweiht.
Eintausendachtundertzweiundachtzig Jahre sind inzwischen vergangen, seit das Konzil von Nicäa tagte. Der zum Bischof neu gewählte Mönch folgte dem Aufruf von Kaiser Konstantin.
Dreihundertachtzehn der insgesamt eintausendachthundert Bischöfe des Römischen Reiches nahmen an dem Konzil teil und legten fest, dass Christus mit Gott gleichzusetzen sei.
Auch beschloss man, der Auferstehung Jesu Christi an jenem Sonntag zu gedenken, der auf das jüdische Passhafest folgte. Dieses begann am ersten Frühlingsvollmond - den darauf folgenden Sonntag sollte Ostern stattfinden. - einem Tag, an dem bereits die Germanen und Kelten ihre Frühlingsfeste gefeiert hatten. Und man nannte es Ostern - nach der keltischen Frühlingsgöttin Eostre.

Das Konzil ging zu Ende und der Bischof von Myra wurde von drei Feldherren zurück zu seinem Bischofssitz begleitet, mit denen er sich anfreundete. Als sie in Myra angekommen waren, lud er sie ein, doch noch eine Zeitlang zu verweilen. Sie nahmen das Angebot an und wurden Zeugen einer wahren Heldentat.
Denn kaum angekommen, erfuhr der Bischof von dem Todesurteil gegen einen, den viele für unschuldig hielten. Auch er selbst - der Bischof - fühlte die Unschuld des Verurteilten und riss daher während der Hinrichtung kurz vor der Vollstreckung dem Scharfrichter das Schwert aus der Hand.
„Du sollst nicht töten!“, sprach er dabei und rettete so den Dankbaren.

Als die oströmischen Feldherren noch immer schwer beeindruckt wieder in Byzanz ankamen, sahen sie sich einer Intrige ausgesetzt. Ein anderer Feldherr hatte sie Verbrechen bezichtigt und der Kaiser von Byzanz sie unverzüglich in den Kerker sperren lassen.
Verzweifelt dachten die Feldherren an den Bischof und beteten in ihrer Verzweiflung auch zu jenem, der zuvor so viel Heldenmut bewiesen hatte und dem man nachsagte, Wundertaten vollbringen zu können.
Drei Tage später lies der Kaiser von Byzanz völlig verängstigt die drei Feldherren frei, da ihm im Traum ein bärtiger Mann erschienen sei und mit Konsequenzen gedroht habe, sollte er den dreien die Freiheit nicht wieder schenken.

Auch diese Erscheinung sprach sich herum und als im Land eine Hungersnot ausbrach, kamen viele zum Bischof von Myra, baten ihn um Hilfe. Sie sprachen davon, dass im Hafen ein Schiff vor Anker läge, das voller Getreide sei, dass man aber nicht bereit sei, auch nur ein Korn davon abzugeben, da es sich um Getreide für den Kaiser von Byzanz persönlich handelte.
Der Bischof begab sich zu den Seeleuten. Er redete ihnen gut zu, bat sie zu helfen. Doch die Seemänner hatten Angst vor der Reaktion des Kaisers, denn das Korn müsse exakt abgewogen bei ihm abgeliefert werden.
Der inzwischen vollbärtige Bischof versprach ihnen, dass sie keinen Schaden nähmen, wenn sie einen Teil abgäben und sie glaubten ihm, denn auch ihnen war der Mann aus Myra bereits aus Erzählungen bekannt.
Als sie im Zielhafen ankamen, wunderten sie sich, als der Hafenmeister das volle Gewicht feststellte, obwohl sie die Hälfte in Myrha zurückgelassen hatten…
Und die Bürgerinnen und Bürger von Myrha konnten zwei Jahre von dem Korn leben, wobei sogar noch etwas übrig blieb, um neues Korn auszusäen.

Die Jahre gingen ins Land, der Bischof wurde mehr und mehr grau. - Ja, sein langer Bart wurde weiß wie Schnee.
Er vollbrachte weiterhin Wundertaten und die frohe Kunde dieser Taten verbreitete sich bald weit über das Land der Oströmer hinaus.

So brach eines Tages ein Mann aus der Ferne auf, um den weißbärtigen Bischof zu bitten, dass ihm doch die Freude der Geburt eines Kindes endlich zu Teil würde. Zu Fuß machte er sich auf, überwand Berge und Flüsse, bis er endlich erschöpft in Myrha ankam.
Er trat zum Bischofssitz, doch er kam zu spät. Der alte Bischof war gestorben und wurde gerade beigesetzt. Schnell schob sich der Mann nach vorne und schnitt ein Stück des Leinentuches ab, in das der Körper des inzwischen zum Heiligen erklärten Mannes gehüllt war.
Voll Hoffnung und im Gebet an ihn versunken kehrte der Mann in sein kleines Dorf zurück und hoffte auf das Wunder.
Am 6. Dezember des folgenden Jahres wurde dem Ehepaar ein Sohn geboren und der Mann dankte dem Heiligen über alles.
Als der Sohn im Alter von sieben Jahren von einem Babylonier entführt wurde, richtete er erneut sein Gebet an den Heiligen. - Er solle ihm doch seinen Sohn zurück bringen.
Erneut am 6. Dezember wurde das Kind, das seit seiner Entführung beim Herrscher über ein kleines Reich in Babylonien als Diener arbeiten musste, von einem Wirbelwind erfasst und genau vor der Kirche abgesetzt, die dem Heiligen geweiht war und in der die Eltern um die Rückkehr ihres Sohnes beteten.

Auch andere Eltern baten von nun an um Hilfe, wenn ihr Kind in Gefahr und in Not schwebte. So bat ein Seefahrer den Heiligen, ihm seinen Sohn zurück zu bringen, der auf hoher See ins Wasser gestürzt und seither verschollen war. - Und der Heilige brachte ihm den Sohn zurück.
Ein anderer feierte jedes Jahr ein Fest, um den Heiligen zu ehren. An einem Abend bat ein Pilger an der Tür des Mannes um Almosen. Als der Sohn etwas geben wollte, lief der Pilger davon, der Sohn folgte ihm in die Dunkelheit. Der Pilger entpuppte sich als Teufel und erwürgte den Jungen.
Als der Vater ihn leblos in der Dunkelheit fand, betete er zu dem Heiligen und fragte ihn, ob dies der Lohn für seine Verehrung sei. Es verging nur wenig Zeit und der Sohn stand wieder auf, als sei nichts geschehen…

Es war vor über eintausendsechshundert Jahren, als dies geschah, doch noch heute existiert die Legende dieses Heiligen Mannes… Noch heute feiern wir ihn als einen großen Heiligen neben dem Heiligen Sankt Martin. Noch heute kennen wir sein Gesicht, seinen weißen Bart und seine Mitra, den Hirtenstab und seinen roten, samtenen Mantel. - Und die vielen schönen bunten und teuren Geschenke…
Doch kennen wir seine wahre Geschichte?
Er war ein Mann des Glaubens, der guten Taten, der alles hergab für die Armen, half, wann er konnte…

Der Bischof von Myra. - Auch bekannt als Heiliger Nikolaus…
Was wurde aus ihm gemacht? - Eine Kommerz fördernde Witzfigur, an den kein Kind mehr glaubt…!
Doch warum ist dies so? Warum glaubt niemand mehr an ihn - den Heiligen Nikolaus?
Sicher, er bringt nicht die Geschenke, ist nicht für materiellen Gewinn gut.
Doch er ist mehr! - Er ist das Gute. - Er ist ein Leuchtfeuer im Dunkel der Zeiten. - Und nicht nur das!
Glauben wir an den Nikolaus und seine Taten! Denn es gab ihn wirklich und wir sollten ihm gedenken, indem wir es ihm gleichtun. - Gutes Tun!
Dazu braucht man keine Wunderkräfte. - Man braucht einzig ein Herz am rechten Fleck…

(c)Torsten Jäger

Quellen: Torsten hat sich im Religionsunterricht Notizen gemacht und daraus diese Geschichte geschrieben.

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Lena strahlte, als sie das letzte ihrer Geschenke auspackte. In den vergangen Jahren hatte sie zu jeder Weihnacht Unmengen von Spielzeug erhalten, doch in diesem Jahr war sie dreizehn geworden und für diese Dinge schon zu groß.
Deshalb gab es einen wunderschönen Pullover, neue Handschuhe samt dazugehöriger Mütze und Geldgeschenke, von Oma, Opa und Tanten. Doch das alles, legte sie kaum besehen zur Seite und griff ehrfürchtig nach dem letzten Päckchen, das wie sie wusste von ihrem Vater stammte.
Auf sein Geschenk war sie besonders neugierig, wusste sie doch, dass er es nie vergaß an seine Angestellten kleine Geschenke zu verteilen, die er mit besonderer Sorgfalt ausgesucht hatte.
Vor ein paar Wochen hatte Lena ihn gefragt, warum er das täte, kannte sie doch sonst niemanden der es ihm gleichtat.
Seine Antwort auf ihre Frage kam einem Rätsel gleich: „Warte bis Weihnachten, dann wirst du es selbst herausfinden können.“
Jetzt endlich war es soweit, mit fahrigen Händen riss Lena an dem Geschenkpapier, bis ein uraltes, an den Kanten zerfledertes Buch zum Vorschein kam. Neugierig blätterte sie ein paar Seiten um, mit einem fragenden Blick zu ihren Vater der ihr lächelnd zunickte, zog sie sich schon bald in eine ruhige Ecke zurück. Kaum hatte sie die erste Seite gelesen, wurden die Geräusche um sie herum immer leiser, die Wärme des Kamins verpuffte und der Schein der Leselampe verblasste.
Als Lena kurze Zeit später ihren Kopf hob, war sie nicht einmal erstaunt darüber, dass sie sich an einem fremden Ort wiederfand.
Sie stand mitten in einem Geschäft und beobachtete einen alten Mann in einem altmodischen Mantel und einem schwarzen Zylinder auf dem Kopf, der keinerlei Anstalten machte, seinen Angestellten eine kleine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und das am Weihnachtstag!

Überrascht schaute sie sich um, und sah geradewegs in die Augen ihres Vaters, der sie die ganze Zeit beobachtet hatte.
Das sie sich urplötzlich wieder im heimischen Wohnzimmer befand, nahm Lena gelassen hin.
Sie widmete sich wieder ihrem Geschenk, das ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich zog, blätterte eine weitere Seite im Buch um und fand sich diesmal in einem kleinen Raum wieder. Hier zog der Wind durch die nur unzulänglich geschlossenen Fensterläden, eine einsame Kerze die auf einem alten Tisch stand, flackerte unruhig und beleuchte den alten griesgrämigen Mann, der diesmal ein langes Leinennachthemd trug und sich gerade auf der Bettkante niedergelassen hatte. Bevor sich Lena jedoch wundern konnte, kam ein neuer Gast hinzu. Wie aus dem Nichts, war er erschienen und forderte sie und den Alten auf, mit ihm eine Reise der besonderen Art zu unternehmen.
Innerhalb von wenigen Minuten stand Lena vor einem vereisten Fenster, durch das sie einen kleinen Jungen beobachtete, der eine große Ähnlichkeit mit dem alten Mann besaß.
Jetzt wusste sie auch, warum der Alte so mürrisch schaute, er selbst hatte wohl nie eine schöne Weichnacht erlebt.
Schlagartig wurde ihr klar, dass sie sich in seiner Vergangenheit befinden musste.

Schon damals hatte er dieses griesgrämige Gesicht, dachte sie traurig. Noch immer hielt sie das Buch in Händen und als sie ihren Blick von der gerade gelesenen Seite löste, fand sie sich plötzlich in ihrem Zuhause wieder. Mittlerweile waren die Lichter am Baum gelöscht, ihre Familie zu Bett gegangen und doch fühlte sich Lena nicht müde genug um es ihnen gleich zutun. Mit einem Schulterzucken vertiefte sie sich in ihre Lektüre und wurde von einem neuen Besucher des alten Mannes an die Hand genommen. Diesmal nahm sie an dem Weihnachtsfest einer sehr armen Familie teil, wie das magere Essen und das nicht Vorhandensein von Geschenken bewies.
Sie war sich sicher, dass sie die Mutter schon zuvor in dem Geschäft des alten Mannes gesehen hatte, als dieser der Frau ein Weihnachtsgeld verweigerte. Verstohlen sah sie zu dem Alten, der wie gebannt die Szene verfolgte.
Ein lauter Schlag brachte sie in die Gegenwart zurück, das Buch war ihr aus den Händen gerutscht und zu Boden gefallen. Hastig griff sie danach und blätterte weiter. Sie wollte wissen, was der merkwürdige Mann tun würde, jetzt da er erkennen musste, dass er den Menschen die für ihn arbeiteten selbst zu Weihnachten nichts Gutes tat.
Doch sie konnte den Alten nirgends entdecken, stattdessen stand sie neben einem weiteren Geist, mitten auf einem einsam gelegenen Friedhof. Neben ihr stand ein gebeugter Mann und trauerte vor einem Grab. Lena entzifferte den Namen der in dem Stein eingemeißelt war. –
Ebenezer Scrooge-. War das nicht der Name des alten Mannes? dachte Lena erschrocken, als sie neben sich einen weiteren Schatten bemerkte, aus dem sich die untersetzte Gestalt des Alten schälte.
Erst jetzt ging ihr auf, dass sie sich in seiner Zukunft befinden mussten. Erleichtert packte sie den Buchrücken fester und fand sich wiedereinmal in ihrem Zuhause wieder. Mittlerweile war selbst der Kamin erloschen, so dass sich Lena in eine Wolldecke wickeln musste um es auch weiterhin warm zu haben. Doch für mehr blieb ihr keine Zeit, nur noch wenige Seiten und das Buch würde zu Ende sein. Voller Neugier und Hoffnung, dass sich das Blatt für den armen alten Mann wenden möge, strich sie ein Seite glatt und las weiter.
Diesmal fand sie sich in einer hellerleuchteten Halle wieder, überall um sie herum standen Menschen, die Lena schon einmal zu Anfang des Lesens begegnet waren. Doch diesmal war alles anders. Fasziniert fiel ihr Blick auf den alten Griesgram, der nun keiner mehr war. Er strahlte mit den anderen Gästen um die Wette und verteilte kleine Päckchen und Geldgeschenke an die Menschen, die ihn das ganze Jahr über begleitet hatten. Glücklich darüber, dass Ebenezer Scrooge doch noch begriffen hatte, dass Weihnachten das Fest der Nächstenliebe ist, klappte sie das Buch zu.
Ihr Vater strich ihr zärtlich über die Wange, als sie die Augen öffnete und verwundert feststellte, dass der erste Weihnachtstag angebrochen war. Mit einem Lächeln flüsterte sie: „ Ich kenne jetzt die Antwort auf meine Frage und sie gefällt mir.
Eines war ganz sicher, die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens würde ihr Lieblingsbuch werden und sie würde sich später, wenn sie einmal groß wäre daran erinnern, so wie es ihr Vater getan hatte.

(c) Christa Kuczinski 2010

Die Freude des Schenkens

„Was haltet ihr davon, wenn wir in diesem Jahr einmal die Weihnachtsgeschenke ausfallen lassen würden?“ Ich schaute in vier fragende Gesichter, die wenig begeistert schienen und versuchte meine Frage zu erklären.

„Seht mal, ich habe mir das so gedacht.“ - Dass es nicht so leicht sein würde, meine Enkelinnen davon zu überzeugen, in diesem Jahr einmal auf ihre Geschenke zu verzichten und dafür eine Familie mit mehreren Kindern, die nur ein geringes Einkommen hatte, zu beschenken, war mir schon klar. Aber Versuch macht klug, dachte ich und so fuhr ich fort.

„Wir könnten uns beim Pfarrer erkundigen, welcher Familie es besonders schlecht geht. Ich denke, es gibt hier im Ort einige Familien, die nur mit sehr wenig Geld auskommen müssen und wo die Wünsche der Kinder nicht berücksichtigt werden
können. Wir könnten hier einmal den Weihnachtsmann spielen! „

Ich stellte fest, dass sich bis jetzt meine Überzeugungskraft in sehr geringen Grenzen hielt und sprach weiter: „Wir können es doch einmal ausprobieren, nur in diesem Jahr. Zum nächsten Weihnachtsfest bekommt ihr dann wieder eure Geschenke, ja?“

Ich schaute direkt in die Augen von Annika und Maike und entdeckte, wie es in ihnen arbeitete. Sie schienen zu überlegen. So große Weihnachtsgeschenke gab es von Oma und Opa nicht. Bei vier Enkeln war ein kleinerer Rahmen dafür angelegt. Dafür wurde dann zu den Geburtstagen oft ein etwas größerer Wunsch erfüllt. Wenn aber alle auf ein Geschenk verzichteten, würde schon eine größere Summe zusammenkommen. Damit könnte man ja vielleicht .....

„So gar kein Geschenk Oma!“, unterbrach die achtjährige Janin das Schweigen und auch die 10-jährige Lea konnte sich nicht so richtig mit dem Verzicht anfreunden. „Ihr bekommt doch noch von euren Eltern und anderen Verwandten Geschenke“, versuchte ich sie zu überreden. Es wird euch bestimmt Freude machen, andere zu beschenken, ihr werdet es sehen – lasst es uns einfach mal versuchen! Ich werde mal unseren Pastor fragen.“

Er nannte gleich mehrere Familien und Personen, die Hilfe gebrauchen könnten, deren Einkommen mehr als bescheiden war und denen wir mit einem Geschenk viel Freude bereiten konnten.

Uns wurde klar, dass wir leider nicht allen helfen konnten. „Warum fragen wir nicht mal im Familien- und Freundeskreis nach, ob sie nicht auch „Weihnachtsmann“ spielen und Geschenke spenden möchten. So könnten doch mehr Familien beschenkt werden“, überlegte Annika laut. Sie war jetzt in ihrem Element und wollte, wenn, dann auch vielen helfen. „Ja, das finde ich auch gut“, bemerkte Maike spontan „wir könnten auch bei den Nachbarn fragen, ob sie helfen möchten.“
Ich schaute lächelnd auf meine Mädchen und mir wurde warm ums Herz. Ihre Augen leuchteten und irgendwie wirkten sie nun aufgeregt – sie wollten helfen!

Soviel Hilfsbereitschaft und der eigene Verzicht auf Weihnachtsgeschenke imponierte selbstverständlich allen Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn. Nach dem Motto: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, waren plötzlich alle angetan von dem Vorschlag, anderen eine Freude zu bereiten.

Wir holten unseren Pastor mit ins Boot, der versprach uns zu unterstützten. Er wollte sich vorsichtig nach den Wünschen der bedürftigen Familien erkundigen. Dann verteilte er eine Liste an die freiwillig Helfenden. Wir sollten eine junge Familie mit zwei Kindern, im Alter von vier und sieben Jahren beschenken. Das Mädchen Helen wünschte sich eine Babypuppe mit Kinderwagen und der siebenjährige Sven einen Helikopter mit Fernsteuerung.

Das Einkaufen der Geschenke machte meinen Enkelinnen viel Spaß. Liebevoll verpackten sie die Waren in glänzendem Weihnachtspapier, schmückten die Pakete mit Kärtchen und Schleifen und konnten es kaum erwarten, sie abzugeben.

Und dann wurde es Heilig Abend. Die Kirche war weihnachtlich geschmückt. Ein hoher Tannenbaum stand in der Nähe des Altars, festlich mit vielen Kerzen beleuchtet und Kinder führten die Weihnachtsgeschichte auf.
Am Schluss der bewegenden Weihnachtsmesse sprach der Pastor von einem besonderen Ereignis. Er erklärte, dass Geben wichtiger als Nehmen sei und dass dies Weihnachten ausmache. Er erzählte von der Idee, einmal auf seine Geschenke zu verzichten und somit jemand anderen zu beschenken. Er nannte keine Namen aber wir sahen uns lächelnd an und ich entdeckte dieses freudige Leuchten in den Gesichtern meiner Enkelinnen – ja, das war Weihnachten.

(c) Sonja Rabaza

Zu Hause

Eine Weihnachtsgeschichte


Als ich Benjamin kennen lernte, war er gerade neun Jahre alt geworden. Er war ein rechter Lausbub, der herumtollte, mit seinen Freunden Fangen und Verstecken spielte, auf so manchen Baum hinaufkletterte und sich dabei auch schon mal die Hose durchscheuerte, wenn er sich an dessen Stamm wieder hinabrutschen ließ.

Benny, wie ihn seine Eltern liebevoll nannten, war das Nesthäkchen der Familie. Seine Geschwister – er hatte noch zwei große Brüder und eine Schwester – waren zwei, vier und sechs Jahre älter als er. Daher wurde ihm auch so manches nachgesehen, was seinem ältesten Bruder noch mit so manchem Klaps auf den Po vergolten worden war.

Eines Tages nun – Benny spielte gerade wieder mit den Nachbarskindern auf der Straße Fußball – wollte er gerade den Ball ins Tor schießen, als er plötzlich ohne ersichtlichen Grund hinfiel. Benommen stand er wieder auf, schüttelte den Kopf, um wieder klar sehen zu können, und spielte dann weiter, ohne viel auf seinen Sturz zu geben.
Daher erzählte er auch zu Hause nichts davon.
Doch schon zwei Tage später geschah es erneut, dass er sich nicht auf seinen kleinen Beinchen halten konnte. Diesmal dauerte es sogar fünf lange Minuten, bis es ihm gelang, sich wieder aufzurichten. Und spielen konnte er auch nicht sogleich wieder.
Seine Spielkameraden stützten ihn und brachten ihn nach Hause, wo sich seine Mutter liebevoll besorgt um ihn kümmerte. Sie ließ sich berichten, was geschehen war, und als Benjamin auf ihre Frage hin zugab, dass er wenige Tage zuvor schon einmal gestürzt war, befiel sie doch ein recht beklemmendes Gefühl, ohne dass sie eigentlich hätte sagen können, warum. Kleine Jungs fallen schließlich immer schon mal auf ihren Hosenboden.

Aus ihrer Besorgnis heraus verständigte sie den Hausarzt der Familie, der auch sogleich nach Schluss seiner Sprechstunde heraus zu unserem kleinen Benny kam.
Er untersuchte ihn eingehend, klopfte mal hier, fühlt mal dort – aber er konnte nichts finden. „Der Kleine ist organisch völlig gesund, wie es scheint“, sagte er, „ich kann jedenfalls nichts feststellen. Wenn er noch einmal fallen sollte, verständigen Sie mich bitte sofort.“

Mit diesen Worten verabschiedete sich der Arzt und Benjamin wurde hinauf in sein Zimmer ins Bett gebracht. Seine Mutter reichte ihm noch eine heiße Milch mit Honig, die unser Freund zwar nicht mochte, dann aber doch hinunterwürgte – seiner Mutter zuliebe.

Schon am Nachmittag des nächsten Tages aber fiel er erneut. Der sofort benachrichtigte Hausarzt veranlasste daraufhin, dass unser kleiner Benny umgehend in das nächste Krankenhaus gebracht wurde. Dort untersuchte man ihn von Kopf bis Fuß, machte viele Tests mit ihm und entnahm sogar Gewebeproben. Dann dürfte er zwar wieder nach Hause gehen, aber als etwa eine Woche später die Befunde vorlagen, musste er wieder ins Krankenhaus kommen.

Er konnte mittlerweile schon kaum noch laufen, es bereitete ihm sogar Schwierigkeiten, die Tasse mit Milch in seinem kleinen Händchen zu halten.
Nochmals wurde er auf Herz und Nieren untersucht und Bennys zutiefst beunruhigte Eltern hatten dann unter vier bzw. unter sechs Augen eine lange Unterredung mit dem behandelnden Arzt.

„Ja – wie soll ich es Ihnen sagen: Ihr Sohn hat eine Krankheit, deren Erreger, deren genaue Symptome wir nicht einmal kennen – und ein Gegenmittel haben wir daher leider auch noch nicht zur Hand. Wir wissen nur so viel, dass es sich um eine Viruskrankheit im Muskelgewebe handeln muss. Es gibt da wohl noch zwei andere gleich gelagerte Fälle in unserem Land, soviel uns bekannt ist.
Und wenn Ihr Sohn dieselbe Krankheit wie diese beiden Kinder haben sollte – dann müssen Sie sich darauf einstellen, dass er ein Leben lang im Rollstuhl bleiben und gefüttert werden muss. Eventuell kann es sogar dazu kommen, dass seine Kau-, Schließ- und Schluckmuskeln eines Tages auch nicht mehr arbeiten.
Wir müssen daher leider letztlich sogar das Schlimmste befürchten.
Ich würde Ihnen wirklich gern Trost zusprechen und eine Besserung in Aussicht stellen – der Stand der Erkenntnis aber lässt das leider nicht zu. Wir stehen wirklich alle vor einem Rätsel.“

Als der Arzt geendet hatte, schluchzte Bennys Mutter laut auf. Sein Vater nahm sie behutsam in seine Arme und führte sie zunächst einmal hinaus in den Krankenhauspark. Dann holten sie unseren kleinen Freund und trugen ihn nach Hause, wo er dann wirklich nur noch liegen konnte und schon bald in jeder Beziehung verpflegt werden musste.

Ein weiterer, aus der nächst gelegenen größeren Stadt hinzu gezogener Arzt hatte sogar die zusätzliche Befürchtung geäußert, Benjamin könne von dieser Krankheit her sogar einen Schlaganfall bekommen, der dann nicht wie sonst vom Gehirn ausgehe. Man könne einfach nichts gegen diese rätselhafte Art von Muskelschwund unternehmen.

Mittlerweile war es Advent geworden, eine rechte Weihnachtsstimmung aber wollte in Bennys Familie nicht so recht aufkommen. Man bastelte und besorgte zwar Weihnachtsgeschenke, vier Tage vor dem Fest holte Benjamins Vater auch einen wunderschön anzuschauenden großen Weihnachtsbaum, aber die sonst übliche Vorfreude wollte sich einfach nicht einstellen – zumal Benny inzwischen auch wirklich schon Schwierigkeiten hatte, die ihm vorgesetzten Speisen hinunter zu schlucken; kauen konnte er seit einigen Tagen auch schon kaum noch richtig.

Dann schließlich war Heiligabend, der Baum erstrahlte in hellem Lichterglanz und die Zeit der Bescherung war herangekommen. Bennys Geschenke hatte man ihm hinauf in sein Zimmer gebracht und vor ihm auf dem Tisch aufgebaut. Unser kleiner Freund sah sich die vielen großen und kleinen bunten Pakete mit strahlenden Augen an, auch wenn er sie mit seinen kleinen Händchen nicht anfassen und halten konnte. Schmerzen in dem Sinne hatte er ja auch nicht.

Seine Eltern und Geschwister gingen dann hinunter, um im verkleinerten Kreis auch noch die Bescherung für die anderen Familienmitglieder und die Geburt Christi zu feiern. Benjamins Mutter regte dann auch an, gemeinsam in die Christmette zu gehen, um für unseren kleinen Freund flehentlich um baldige Besserung zu beten.

Als sie alle aus dem Haus gegangen waren und es ganz still geworden war, wollte Benjamin gerade seine kleine Äuglein schließen, als plötzlich wie von Geisterhänden die Tür aufging und der ganze Raum in überirdischem Licht erstrahlte. Eine Gestalt wie aus Bennys Märchenbüchern – es mochte vielleicht ein Engel sein – sah ihn warm und liebevoll an.
„Komm mit mir“, sagte der Engel, „ich will dir auch etwas ganz Schönes zeigen.“
„Ich kann doch nicht laufen“, wagte Benjamin schüchtern einzuwenden.
„Doch, du kannst – komm nur!“ munterte der Engel ihn auf.
Und wirklich – es fiel unserem kleinen Freund erstaunlicherweise überhaupt nicht schwer, sich zu erheben und dem Engel zu folgen, der ihn bei der Hand nahm und mit sich fortzog.

Als seine Eltern ihm am folgenden Morgen eine frohe Weihnachtszeit wünschen wollten, lag Benny mit einem strahlenden Lächeln auf seinem kleinen Gesichtchen in seinem Bett.
Er war für immer eingeschlafen.


Leise kam der Heiland, nahm mich bei der Hand;
führt mich von der Reise heim ins Vaterland.

© Wolf- Jakob Schmidt

http://www.wolfs-kaleidoskop.de.vu/

Angekommen

Das laute Hupen eines LKWs ließ ihn leicht zusammenzucken. Er murmelte etwas vor sich hin und zog dabei die Kapuze seines alten schmutzigen Anoraks tiefer ins Gesicht, um sich vor dem eisigen Wind zu schützen. Es war kalt geworden, bitterkalt, und er spürte wie sich die Kälte in seinem Körper ausbreitete, wie sie seine Glieder lähmte und starr werden ließ. Er griff zu seiner Schnapsflasche und trank einen kräftigen Schluck in der Hoffnung, dass ihn der Alkohol ein wenig von innen wärmte oder zumindest etwas betäubte, damit er wieder einschlafen konnte.

„Wo hab ich denn die anderen Flaschen gelassen“, dachte er laut und suchte seinen Rucksack ab. Als er sie fand, atmete er erleichtert auf. Seine Finger berührten etwas samtiges und er entdeckte den kleinen Samtengel, den ihm heute Morgen ein kleines Mädchen geschenkt hatte. „Heut ist doch Heiligabend“ hatte es gesagt „der Engel soll Sie beschützen“. Er hatte in der Einkaufspassage gesessen und seine Kiste aufgestellt und so nach und nach warfen die hastig vorbeilaufenden Menschen einige Münzen hinein – es war Weihnachten und da passte so ein Obdachloser nicht zur Weihnachtsgans, Geschenken, Licht und Gemütlichkeit. In einigen Augen sah er Besorgnis aufblitzen – wie kann der hier in der Kälte sitzen - und warfen dann schnell etwas Geld in die Kiste. Aber die meisten sahen ganz schnell an ihm vorbei, sie wollten sich nicht den heiligen Abend verderben lassen.

Dann kam dieses kleine Mädchen, am Arm ihrer Großmutter. Als sie ihn bemerkte, kam sie zu ihm und fragte warum er hier sitze und nicht bei seiner Familie wäre, heute sei doch Weihnachten. „Ich habe keine Familie“ hatte er geantwortet. Die Großmutter schaute ihn lange an und steckte ihm dann 10 Euro zu, damit er sich etwas zu Essen kaufen könne. Sie wollte ihn überreden, doch ins Obdachlosenasyl zu gehen, dort hätte er es doch warm und ein Bett für die Nacht. Er versprach ihr, später dort hinzugehen. Das Mädchen schenkte ihm den kleinen roten Samtengel und drehte sich noch einmal nach ihm um und winkte.

Er hatte sich dann von dem Geld zwei Flaschen Schnaps und ein Brot gekauft und ging dann zurück zu dem Brückenpfeiler, der ihm schon seit längerer Zeit als Schlafstätte diente. Er hatte in einer geschützten Ecke einige Pappkartons aufeinander gelegt und einige Wolldecken darauf gestapelt. Und sein Schlafsack hielt ihn ziemlich warm; bis jetzt jedenfalls. Der Winter war eingekehrt und zeigte sich unerbittlich.

Ja, heute war „Heilig Abend“ ! Die Menschen saßen im Kreis ihrer Familien in warmen Stuben. Unter den hell erleuchteten Weihnachtsbäumen stapelten sich die Geschenke und die Gesichter der Kinder leuchteten auf, wenn sie ihr
vom „Christkind „ gewünschtes Spielzeug auspackten.

„Weißt du noch Sophie, vor einem Jahr haben wir in der kleinen Christuskirche gesessen und der Abendmesse gelauscht. Der Kinderchor sang wunderschön und das Krippenspiel, das aufgeführt wurde, hatte uns viel Freude gemacht. Obwohl du schon von deiner Krankheit gezeichnet warst und dir das Laufen und längere Sitzen schwer fiel, wolltest du unbedingt mit mir in diese Messe gehen. Andächtig lauschtest du den Worten des Pfarrers und deine Augen leuchteten warm und voller Liebe.
Dann ging alles sehr schnell. Einige Tage später konntest du das Bett nicht mehr verlassen und als der Arzt dann bestätigte, dass es mit dir zu Ende geht, saß ich fassungslos und ohnmächtig an deinem Bett, deinen Kopf in meinem Arm gebettet, deine Hand in meiner und wiegte dich in den ewigen Schlaf.

Die Zeit danach war die Hölle für mich. Wie sollte ich ohne dich – meiner geliebten Frau – leben ? Ich versuchte meinen Schmerz im Alkohol zu betäuben, was mit der Zeit auch immer besser gelang. Der Alkohol wurde zu meinem Freund. Mit ihm konnte ich mich betäuben und in meine Traumwelt flüchten; da war ich dir oft ganz nahe.
Leider blieb mein Lebenswandel nicht ohne Folgen. Mein Arbeitgeber musste mir schließlich kündigen – er hatte mich oft genug verwarnt. Als dann unser Vermieter mich aus unserer Wohnung gerichtlich herausklagte – er hatte Eigenbedarf angemeldet – hatte ich nicht die Kraft, mir ein anderes Zuhause zu suchen. Ohne dich wollte und konnte ich nicht umziehen und in dieser Wohnung steckten unsere gemeinsam verbrachten glücklichen Jahre und so verschwand ich eines Tages und suchte ich mir unter diesem Brückenpfeiler eine Schlafstätte, wo ich ungestört meinen Gedanken nachgehen konnte. „

Er griff wieder zu seiner Schnapsflasche und nahm einen kräftigen Schluck. Die wärmende Wirkung wollte sich heute nicht einstellen. Er spürte wieder den ziehenden Schmerz, der sich in seiner Brust ausbreitete. Für einen Moment nahm er ihm den Atem und keuchend krümmte er sich zusammen. Schweißperlen standen auf seiner Stirn, obwohl er vor Kälte anfing zu zittern und er zog seine Jacke enger an sich.

Als er etwas später wieder aufsah, sah er direkt in Sophie Augen. Sophie seine geliebte Frau war hier bei ihm !? Magisch wurde er von ihren Augen angezogen, die ihn voller Liebe ansahen und es war ihm, als spürte er ihren Atem in seinem Gesicht. Ja, sie war es ! Es war ihre klare Stimme, die er ganz klar erkannte: „Richard, mein Liebster, ja ich bin es wirklich, ich bin bei Dir, bin immer bei Dir gewesen. Keine Sekunde habe ich Dich aus den Augen gelassen, mein Herz. Ich weiß, wie schwer Du unter unserer Trennung leidest, ich kenne Deine Sehnsucht und fühle Deinen Schmerz. Aber jetzt wird alles wieder gut, ich bin wieder bei Dir und werde Dich nie mehr verlassen.“

Er spürte ihre warmen Hände, die zart sein Gesicht umschlossen. Sanft drückte sie seinen Kopf an ihre Brust und ihre Arme umschlossen seinen Körper. Er fühlte eine tiefe Geborgenheit, als sie ihn sanft hin und her schaukelte. Eine wohlige Wärme durchdrang seinen eisigen Körper. Sophie war wieder da, jetzt wurde alles wieder gut.

Spaziergänger fanden ihn am ersten Weihnachtstag. Er war erfroren in dieser eisigen „heiligen Nacht“. Er lag ganz friedlich in seinem Schlafsack, ein Lächeln stand in seinem Gesicht.

05.10.2008 Sonja Rabaza

..:~~Mein größter Wunsch ~~:..



Meine kleine Tochter Katrin schaut mich mit ihren großen Augen an. Sie hat sich die Fotos auf dem Regal angeschaut und aufgezählt, wer dort abgebildet ist. „Und das ist meine große Schwester Celina“ erklärt sie, „und wo ist sie ?“ fragt sie mich.
Deine Schwester Celina lebt bei ihrer Mama. Aber irgendwann wirst du sie kennen lernen. Sie ist genau wie du, ein bildschönes tolles Mädchen und ich habe euch beide sehr, sehr lieb“ antworte ich und drücke sie fest an mich.

Wieder schleicht sich diese Traurigkeit in mein Herz. Seit drei Jahren habe ich mein großes Mädchen nicht mehr gesehen. Ich spüre ihren kleinen Körper in meinen Armen und wie mir ihr Atem ins Gesicht weht, wenn sie von Herzen lacht. Ihr Lachen war wie der Sonnenschein.

Die Trennung von ihr war für mich sehr schmerzhaft. Sie wurde mir wie aus dem Herzen gerissen und noch immer ist diese Wunde nicht verheilt und beeinflusst seitdem mein Denken und alltägliches Handeln.

Meine kleine große Tochter. Ich fühle ihre kleine Hand, die sie in meine legte, wenn sie sich vor etwas fürchtete. Bei ärztlichen Terminen musste ich immer dabei sein, um sie zu beruhigen. Sie ist immer noch allgegenwärtig und es vergeht kein Moment, wo ich nicht an sie denke. Ich hoffe so sehr, dass es ihr gut geht.

Wie hat sie wohl die Trennung verkraftet ? Wie kann ein fünfjähriges Mädchen verstehen, dass es seinen Papa, den es so sehr liebt, nicht mehr sehen darf und dass er nicht mehr für sie da sein kann ? Wie wird sich dieser Zustand auf ihre Entwicklung auswirken ? Das ist wohl meine größte Sorge, denn ich weiß, dass zu einer gesunden Entwicklung eines Kindes die Zuwendung und die Liebe beider Elternteile notwendig sind. Die verlorene Zeit kann man nie mehr zurückholen und auch nicht nachholen. Wird sie mich vielleicht irgendwann hassen oder mich vielleicht vergessen ? Kann man Liebe vergessen ?

All meine Bemühungen, meine Tochter sehen zu dürfen, wurden von ihrer Mutter abgeschmettert. Sie blieb hart und unerbittlich. Da die Auseinandersetzungen immer größere Ausmaße annahmen, habe ich mich letztendlich zurückgezogen, damit unser Kind nicht mehr zwischen den Fronten stand und zur Ruhe kommen sollte.

Jetzt beginnt wieder die Weihnachtszeit – die dritte ohne sie - und mit ihr kommen Gedanken und Erinnerungen besonders stark und intensiv, die ich ertragen und aushalten muss. Ich sehe in Gedanken die leuchtenden Augen von Celina, wenn sie den mit brennenden Kerzen geschmückten Weihnachtsbaum sieht und ihre vielen Geschenke auspackt und ich wünsche ihr ganz viel Freude.
Und vielleicht geht ja auch mein größter Wunsch eines Tages in Erfüllung, dass sie solche Tage mit uns und vor allem mit ihrer Schwester, die sie noch nicht kennt, gemeinsam verbringen kann.

Sonja Rabaza



Weihnachtswunder

Ein starker Wind war aufgekommen und schüttelte alle Wolken des Himmels durcheinander. Luise hatte Mühe, nicht von ihrer kleinen Wolke geschupst zu werden. Ihre Finger, die in dicken roten Fäustlingen steckten – sie waren ein Geschenk von Benedikt „damit deine Hände immer schön warm sind“ hatte er gesagt und sie dabei angelächelt – wurden steif und es kostete sie doch einige Anstrengung sich festzuhalten. Auch ihre Wollmütze und ihr warmer Schal, der sie vor Erkältungen schützen sollte und vor allem die wunderbar flauschigen Socken aus glänzendem Garn waren von ihm.

Benedikt hatte sich sehr verändert! War er früher fast immer griesgrämig und übel gelaunt, wurde er jetzt von allen Schutzengeln geliebt, weil er ein sehr aufmerksamer Himmelsbote geworden war und sich um seine Schutzbefohlenen gut kümmerte.

Luise setzte sich ihre Brille auf die Nase und hielt Ausschau nach Alexander.
Sie sorgte sich um ihn. Er war in der letzten Zeit ziemlich bockig und stritt sich mit allen und jedem. Die Mutter von Alexander war vor einiger Zeit sehr erkrankt und musste in einem Krankenhaus behandelt werden.

Alexanders Vater hatte Anfang des Jahres seinen Arbeitsplatz verloren. Das belastete die kleine Familie sehr.

Alexander trat mürrisch seinen Heimweg an. Er trat wütend in eine Regenpfütze, dass das Wasser nur so spritzte und seine Schuhe und Hosenbeine völlig durchnässte. Er hatte sich heute wieder mit seinem Klassenkameraden gestritten und geprügelt und sein Lehrer hatte ihn mit zusätzlichen Hausaufgaben bestraft.
Da er noch nicht nach Hause wollte, entschloss er sich das Einkaufszentrum im Zentrum aufzusuchen. Dort gab es genau das Handy, das ihm besonders gut gefiel.

„Er wird doch wohl nicht!“ dacht Luise entsetzt und schob eine vorwitzige kleine graue Locke unter ihrer Mütze zurück. Alexander hatte das Handy in der Hand und schaute sich vorsichtig um, ob ihn auch niemand beobachtete. „Also Alexander, das geht jetzt aber zu weit!“ schimpfte sie. Wie konnte sie ihn nur von diesem Diebstahl abbringen und dass er das Gerät ohne zu bezahlen mitnehmen wollte – so etwas wissen Schutzengel nun einmal – war ihr klar.

Schutzengel sind ja unsichtbar für die Menschen und nur mit größter Anstrengung können sie manchmal Dinge in Bewegung setzen, wie z.B. einen etwas stärkeren Windzug erzeugen, damit ein leichterer Gegenstand umfällt oder aber auch, wenn sie ganz eindringlich warnen, dann kann es manchmal sein, dass die Menschen sich besinnen. Sie versuchte es mit allen Mitteln. Ihr Gesicht wurde durch das viele Pusten ganz rot – sie war ja nun auch nicht mehr die Jüngste und solch wilde Gebärden, sollten doch besser jüngeren Schutzengeln überlassen sein. Aber, Alexander war nun mal bis zu ihrer Pensionierung ihr Schützling und das nahm sie auch sehr ernst. Sie nahm beide Arme zu Hilfe und fuchtelte vor Alexanders Gesicht hin und her. Irgendwie schien sie es doch geschafft zu haben, denn er legte das Handy wieder auf seinen Platz und verließ den Laden. Puh! Dachte Luise, gerade noch geschafft. Das war aber brenzlig. Sicherheitshalber begleitete sie Alexander noch bis zu seiner Haustür – nicht dass er wieder auf dumme Gedanken kam.

Hier musste ganz dringend etwas geschehen, damit ihr Schützling wieder ein fröhlicher Junge wurde. Sie beschloss einmal mit Benedikt, dem Oberhaupt der Engel, zu sprechen, vielleicht wusste er ja einen Rat.

„Es wäre sicher gut für ihn, wenn er eine Aufgabe hätte. Einen Hund, für den er sorgen müsste? Im Tierheim warten so viele Tiere auf ein neues zu Hause. Luise du solltest ihn dazu bringen, ins Tierheim zu gehen!“

„Alexander! Ich lese gerade, dass das Tierheim heute geöffnet hat, wollen wir uns das mal ansehen? Du wolltest doch schon immer gerne einen Hund haben, vielleicht finden wir ja dort einen“ sagte Alexanders Vater und sah ihn über den Rand seiner Zeitung an.

Alexander schaut erstaunt auf. Er hatte in der letzten Nacht von einem Hund geträumt! Ein Mischling, mit ganz großen treuen dunklen Augen. Er hatte sein dunkles Fell gestreichelt und das Tier hatte sich ganz feste an seine Beine gedrückt.

Schon von weitem hörte man das Bellen und Kläffen der Hunde in ihren Zwingern. Die vielen Menschen, die sich an diesem „Tag der offenen Tür“ hier versammelt hatten, machten die Tiere unruhig. Einige liefen nervös hin und her und sprangen an den Drahtzäunen hoch, andere blieben verstört im hinteren Teil des Zwingers und kniffen ängstlich ihren Schwanz an ihren Körper.

Alexander lief mit seinem Vater an den vielen Hundeboxen vorbei und schaute voller Mitgefühl auf die Tiere. Er wünschte sich, dass möglichst viele Besucher sich dazu entscheiden würden, einen Hund aus dem Tierheim mitzunehmen.

Im letzten Stall saß ein kleiner Mischling in einer Ecke. Es sah so aus, als ob er kein großes Interesse an all den Besuchern hätte. Er knabberte ganz genüsslich an einem kleinen Knochen und wollte sich so gar nicht stören lassen.

Alexander öffnete die Tür, kniete sich hin und beobachtete ihn. Er erinnerte ihn an den Hund in seinem Traum. Er hatte ein braunes zotteliges Fell, aber wunderschöne große dunkle Augen und als er Alexander bemerkte, stand er auf und trottete langsam auf ihn zu. Sein Schwanz wedelte immer heftiger und er sprang an Alexander hoch und leckte sein Gesicht und seine Hände. Alexander ergriff ihn mit beiden Händen und streichelte ihn und er drückte sich voller Zutrauen an ihn – genau wie in seinem Traum!

Es hatte zu schneien begonnen. Die dicken Schneeflocken glitzerten im Mondschein dieser „Heiligen Nacht“. Alles war still und friedlich. Luise schaute lächelnd auf Alexander, der mit seinem kleinen Hund – er hatte ihn Felix getauft - im Wohnzimmer spielte. Alexander nahm seine neue Aufgabe sehr ernst und er und Felix waren unzertrennlich geworden. Auch war seine Mutter endlich wieder zu Hause und sein Vater hatte auch eine neue Arbeit gefunden.

Der Tannenbaum war festlich geschmückt und strahlte im Kerzenglanz. Weihnachtsmusik war zu hören und die Weihnachtsgeschenke wurden gerade ausgepackt. Als Alexander sein Geschenk auspackte, wurden seine Augen immer größer „ein Handy und genau das, was ich mir gewünscht habe“ stammelte er glücklich.

„Fröhliche Weihnachten, Alexander!“ flüsterte Luise und schmiegte sich ganz eng in ihre flauschige Wolke. Wie schön, wenn manchmal Wunder wahr werden, dachte sie glücklich.

© Sonja Rabaza


Die kleine Schneeflocke


In einer großen Wolke lebte einmal eine kleine Schneeflocke. Sie spielte den ganzen Tag mit den anderen Schneeflocken fangen, wenn es abends dunkel wurde kuschelten sie sich aneinander und schliefen tief und fest bis zum nächsten Morgen.
Jeden Tag gab es ein Kommen und Gehen. Neue kleine Schneeflocken wurden geboren und die großen älteren verließen die Wolke und segelten in die Welt hinaus.
Oft wurde es der kleinen Schneeflocke langweilig, dann brach sie mitten im Spiel ab und schlich sich leise an den Rand der Wolke. Von dort konnte sie auf die Erde hinunter sehen , weit entfernt erspähte sie Dörfer und Städte ,Wälder und Felder, ja, und wenn sie genau hinsah sogar Menschen und Tiere die wie kleine Punkte von einem Ort zum anderen liefen. Jeden Tag träumte sie davon endlich groß genug zu sein um die Wolke verlassen zu können.
Eines Tages war es soweit. Ohne das sie es bemerkte war aus ihr eine große Schneeflocke geworden. Und heute sollte ihr Abenteuer beginnen.
Mit einem kräftigen Nordwind wurde sie und viele andere von der Wolke geweht und schwebte leise der Erde entgegen. Vor lauter Freude wirbelte sie wild durch die Luft um dann sachte in einem Vorgarten zu landen.
Erstaunt sah sie sich um, hier lagen so viele Schneeflocken, sie bedeckten den ganzen Boden wie eine schillernde weiße Decke. Selbst auf den Bäumen und Hecken fand man sie.
Mitten im Garten hatten Kinder einen Schneemann gebaut, der lächelnd in die Runde schaute.
Die Schneeflocke war begeistert, jetzt endlich würde ihr Abenteuer beginnen.
Doch was war das? Tagelang passierte nichts , die Menschen kamen und gingen an ihr vorbei, ja selbst die Tiere die Nachts durch den Garten streiften, sie wurde von niemanden beachtet. Aber dafür lauschte sie den Gesprächen der anderen Schneeflocken, diese hofften, dass es noch lange kalt blieb, denn wenn die Sonne an Kraft zunahm, würden sie alle schmelzen und vergehen.
Das behagte der Schneeflocke gar nicht, sie wollte weder vergessen werden noch vergehen sondern beachtet werden und ewig leben.
Eines Abends als es schon dunkel wurde und die Sterne am Himmel erschienen ertönte vor ihr ein leises Klingeln. Sie schaute auf und sah vor sich einen Schlitten mit vielen kleinen Glöckchen geschmückt, davor waren zwei Rentiere gespannt. Gerade stieg ein Mann in einem roten Umhang, einem weißen langen Bart und einem Sack über den Rücken, hinab, ging auf das Haus zu und verschwand darin. Die Schneeflocke wusste wer der nächtliche Besucher war. Sie hatte von einem Nikolaus gehört, der einmal im Jahr auf die Erde kam und Wünsche erfüllte.
Und genau das brachte sie auf eine Idee. Als der Nikolaus wieder aus dem Haus kam und an ihr vorbei ging um den Schlitten zu besteigen, sprang sie auf seinen Stiefel und klammerte sich an einem Schnürsenkel fest. Der Nikolaus bemerkte nichts und stieg mit dem Schlitten in die Lüfte. Es war eine lange Reise bis in den Himmel. Immer wieder rief die Schneeflocke, gegen den Wind ankämpfend :“ Nikolaus hörst du mich? Ich habe nur einen winzigen kleinen Wunsch.“ Aber er hörte sie nicht, zu laut brauste der Wind um sie herum.
Als sie die Himmelsstadt, die aus purem Eis gebaut war, erreichten hatte die Schneeflocke schon längst aufgegeben, müde und erschöpft hing sie am Schnürsenkel.
Aber wie sah sie aus? Ihr strahlendes Weiß war verblasst und ihr Glitzern hatte sie unterwegs verloren. Dicke Tränen, die auf dem Weg zum Boden gefroren, kullerten wie Perlen über den Stiefel.
Da stutzte der Nikolaus, lauschte und schaute dann an sich hinab um zu sehen woher das leise bing..bing.. kam das er vernahm. Er entdeckte die arme Schneeflocke, beugte sich hinunter, nahm sie auf seinen Finger und hielt sie sich vor sein Gesicht. „ Na wo kommst du denn her?“ fragte er. Die Schneeflocke erzählte ihm flüsternd von ihrem Wunsch. Der Nikolaus hörte genau zu, nickte dann bedächtig und nahm sie mit in eine große Halle.
Hier war es genau so kalt wie draußen, was die Schneeflocke mit Erleichterung feststellte. Überall um sie herum herrschte geschäftiges Treiben. Kobolde in bunter Kleidung hasteten von hier nach dort. Manche hielten Pakete, andere Spielzeug und ganz viele standen an langen Tischen und bauten, hämmerten oder malten. Der Nikolaus ging mit ihr an einem der hinteren Tische, dort wartete schon ein kleiner Kobold. Leise besprachen sich die Zwei, immer einen Blick auf die Schneeflocke werfend. Dann übernahm der Kobold sie ganz vorsichtig und verschwand mit ihr.
In der kommenden Nacht machte sich der Nikolaus auf um auch andere Kinder, die in verschiedenen Erdteilen lebten, zu beschenken. Und mit im Gepäck war auch die Schneeflocke. Als der Nikolaus am frühen Morgen das letzte Menschenhaus verließ, klatschte er in seine Hände und murmelte in seinen Bart:“ Nun habe ich alle Wünsche erfüllt.“

An diesem Abend freute sich ein Kind besonders, es liebte den Winter über alles und hatte nur einen einzigen Wunsch. Es entdeckte ein kleines Päckchen und öffnete es. Darin lag eine Schneekugel. Das runde Glas war poliert, so das es sich im Licht spiegelte, ein winziges Dorf war darin zu sehen, in deren Mitte stand der Nikolaus. Auf seinem ausgestreckten Finger saß eine kleine strahlend weiße, glitzernde Schneeflocke, die wenn man die Schneekugel leicht schüttelte durch das Dorf wirbelte um mit einem letzten Überschlag wieder auf dem Finger zu landen.
Die Schneekugel bekam einen Ehrenplatz auf dem Kaminsims, viele Kinder bewunderten sie im Laufe der Jahre und ließen die Schneeflocke durch ihr Dorf wirbeln.
Und wenn ein Kind sich die Schneeflocke einmal näher betrachten würde könnte es erkennen, dass diese lächelte.

© Christa Kuczinski



Weihnachten


Am stärksten sind mir noch die Wintertage in Erinnerung geblieben. Streng und eisig waren die Tage und Nächte. Die Temperaturen sanken oft bis auf Minus 30 Grad. Die Natur wirkte erstarrt in ihrem Winterschlaf. Die Bäume ächzten unter der Last des vielen Schnees, der auf den Ästen lagerte. Die Landschaft war wie in Watte gepackt, alles wurde von dieser weißen Pracht eingehüllt und die Dächer der Häuser sahen mit ihren dicken Schneehauben märchenhaft und wie verzaubert aus.


Die Werse vor unserem Haus war so stark zugefroren, dass wir darauf Schlittschuhe fahren konnten, was wir auch fleißig nutzten. Das Eis trug uns Kinder und die Erwachsenen und unser lautes Lachen war weit zu hören. Wir wohnten an einem Hang und so konnten wir direkt vor unserer Haustür den Hügel bis zum Flussufer hinunterrodeln. Wie viel Lebensfreude diese Erinnerungen doch beinhalten.


Wie angenehm es doch war, nach dem Spielen nach Hause in die warme Stube zu kommen. Die Finger waren kalt und klamm und auch die Füße waren vor Kälte steif geworden. Der Ofen im Wohnzimmer brannte auf Hochtouren und der Wasserkessel war gefüllt und oft hörte man schon von weitem die Flöte summen. Auch an die Bratäpfel, die im Backofen vor sich hin brutzelten, erinnere ich mich. Ihr Duft strömte durch die ganze Wohnung und machte die Adventszeit zu einer Zeit der Vorfreude und Geheimnisse. Viele Weihnachtsgeschenke wurden selbst hergestellt. Es wurde genäht, gebastelt, geschneidert, gemalt und gezimmert. Jeden Sonntag wurde eine der vier dicken roten Kerzen auf dem Adventkranz entzündet und die Spannung wurde dabei oft unerträglich.


Der Heilige Abend im Jahr 1955 war kalt und klar. Meine Mutter, die im sechsten Monat schwanger war, schmückte liebevoll den Weihnachtsbaum nachdem sie meinen Vater, meine fünfjährige Schwester und mich nach draußen geschickt hatte. Dick eingepackt in unsere Felljacken – die hatte unsere Großmutter für meine Schwester und mich genäht – machten wir uns auf den Weg. Es war schon dämmrig, die Straßenlaternen brannten und versuchten die Dunkelheit ein wenig zu vertreiben. Unser Vater nahm uns Geschwister an die Hand und wir beschlossen einen Spaziergang zu machen, damit die Zeit bis zur Bescherung nicht so lang wurde. Der Schnee knirschte unter unseren Füssen. Es hatte in den letzten Tagen gestürmt und viel geschneit. Jetzt war es ruhig und windstill und die Kälte fraß sich langsam durch die beginnende Nacht.


„Was wünscht ihr euch vom Christkind?“ fragte mein Vater plötzlich. „Das weißt du doch, ein Fahrrad!“ erwiderte ich. „Ich möchte ein Brüderchen“ antwortete meine Schwester, „ ob uns das Christkind wohl eins bringen wird?“ Ich tauschte einen vielsagenden Blick mit meinem Vater. Meine kleine Schwester glaubte noch an das Christkind und hoffte, dass es ihm ein Brüderchen brachte. Ich mit meinen sieben Jahren wusste längst, dass nicht das Christkind die Geschenke brachte, das hatte mir meine Freundin erzählt. „Ja, dann wollen wir mal hoffen, dass das Christkind deinen Wunsch erhört“ antwortete mein Vater und sah liebevoll lächelnd auf meine Schwester herab. „Aber das Christkind bringt doch keine Babys, die bringt doch der Storch!“ wandte ich in meiner gutmütigen Überlegenheit ein. Lachend nahm Vater uns in seinen Arm und wir setzten den Spaziergang fort.


Der dunkle Himmel war bereits mit Sternen übersät und die bleiche Sichel des zunehmenden Mondes erhellte nur wenig die beginnende Nacht, als wir zurückkehrten. Der helle Klang eines Glöckchens, begleitet von einem Kinderchor aus dem Radio, zeigte uns die heilige Nacht an. Das helle warme Kerzenlicht spiegelte sich in unseren Kinderaugen und aufgeregt und erwartungsvoll wurden wir in den Bann des heiligen Abend gezogen.

©Sonja Rabaza

http://sonjarabaza.myblog.de

Mein persönliches Weihnachten


Nachkriegsweihnacht. Ich denke, es war am 24.12. 1948 oder 49. Die Familie sitzt bei Oma im Stübchen.

Es ist draußen bitter kalt. Aber der Kachelofen gibt eine heimelige Wärme ab. Es herrscht auf der einen Seite eine freudige, auf der anderen aber eine gedrückte Stimmung. Nur wir Kinder sind in freudiger Erwartung. Oma hat vorgestern die Trauernachricht vom Ende zweier ihrer Söhne bekommen, die schon im Frühjahr 1944 gefallen waren.
„Mit ehrfurchtsvollem Mitgefühl für Ihre Trauer“.

Drei Söhne galten noch als vermisst. Einer von ihnen kam vor circa drei Wochen aus russischer Kriegsgefangenschaft heim. Es ist der Jüngste von ursprünglich 11 Geschwistern, sieben Jungen und vier Mädchen. Oma hat ihre Familie um sich versammelt, wie jedes Jahr bei hohen Festtagen. Die Stube platzt fast aus allen Nähten angesichts der vielen Menschen, jung und alt, die sich versammelt haben. Einige Enkel, darunter auch ich, mit meinen vier oder fünf Jahren, kauern zu Füßen der Oma und lauschen der Weihnachtsgeschichte, die der älteste Enkel, K... mit unsicherer Stimme vorträgt. Nun sind alle Enkel gehalten, ein Weihnachtslied anzustimmen.

„Vom Himmel hoch, da komm ich her“ so singen wir inbrünstig und mit strahlenden Augen. (Weil wir Oma sooo lieb haben und natürlich auch auf Geschenke hoffen.) Bei der Zeile „ Es ist ein Kindlein Euch geboren“ klopft es an der Haustüre. Onkel W., der vor drei Wochen aus der Gefangenschaft entlassen wurde, kriecht vor Schreck schweißüberströmt unter den großen Tisch. Onkel H. öffnet die Tür. Ein Schwall kalte Luft mit Schnee durchzieht die Stube. Alle Anwesenden schauen nun zur Tür, ob ein ungebetener Gast käme. Oma erhebt sich und starrt auf den Mann mit dem langen Mantel, der wortlos in das Zimmer tritt. „Der Weihnachtsmann“ denke ich, weil er einige sackartige Taschen über seiner Schulter hängen hat. „Mein Junge!“ Oma macht einen Schritt auf ihn zu. Der große, für mich Fremde, fängt sie auf und wiegt sie in seinen Armen. „Mama, Mama, für diesen Augenblick habe ich gelebt, Mama, überlebt!“ Eine blanke Träne löst sich aus diesen so hart aussehenden Augen und rutscht langsam in seinen Vollbart. Nun weicht langsam der Bann, der alle erfasst hatte. Und plötzlich reden alle durcheinander. Onkel E. lässt seinen Mantel und die Taschen von seiner Schulter gleiten. Er trägt Oma, seine Mutter, wie ein Baby zu ihrem angestammten Sessel.

Inzwischen ist auch Onkel W. wieder aufgetaucht und nähert sich, immer noch verstört, seinem Bruder.

©B. Dölker



Grußwort an unsere Gäste

Dir und allen Deinen Lieben wünschen wir von Herzen ein frohes, gesegnetes, ruhiges, friedvolles und fröhliches Weihnachtsfest!

Komm gut ins neue Jahr, das Dir und den Deinen möglichst viele Eurer Wünsche, Träume und Sehnsüchte erfüllen und Ziele erreichen lassen möge!
Vor allem aber sei und bleib gesund, hab das Quentchen Glück, das jeder mal braucht und sei möglichst zufrieden mit dem, was Du hast und was Dir begegnet. Hab ein wirklich schönes neues Jahr, in jeder Beziehung!!!
Möge die Sonne Dir immer scheinen – und wenn sie von außen mal nicht zu sehen ist, sei gewiss, dass sie immer da ist, auch wenn Deine Augen sie nicht wahrnehmen können (bist Du jemals in einem Flugzeug geflogen? Dann weißt Du, was ich meine...). Auf jeden Fall aber behalte Deine innere Sonne, auf dass sie auch im nächsten Jahr aus Dir herausstrahlt und Menschen mit ihrem Strahlen anstecken kann, denen es vielleicht nicht so gut geht...
Hab viele gute Freunde, fühle ihre Wärme und Nähe und vor allem: Sei geborgen im Schutz dessen, der über uns alle wacht! Auch er ist immer da.

Das Inselchenteam





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